Das erste größere Homo-Event 2007 war der CSD-Brandenburg. Das diesjährige Motto hieß: „Gleiche Rechte für Lesben und Schwule" und fand vom 13.04.07-28.04.07 meist in und um unsere schöne Landeshauptstadt Potsdam statt.
Die entscheidenden Forderungen waren einerseits Transparenz und Vernetzung von Vereinen, die schwul - lesbische Arbeit leisten, aber auch die Forderung nach Unterstützung von schwul - lesbischen Initiativen vor Ort im Flächenland Brandenburg. Genau in diesem Punkt gibt es unterschiedliche Auffassungen und gegenseitige Bewertungen, die leider dem Ganzen einen bitteren Beigeschmack gaben. Doch für viele Vereine, Parteien und Initiativen sind diese Diskussionen - unabhängig von den persönlich motivierten Querelen Einzelner - wichtige Impulse, inhaltlich in die Zukunft zu schauen.
Die Veranstaltungen dieser zwei Wochen waren politisch, provokant, aufklärerisch, vergnüglich und fast närrisch, wenn wir den zweitägigen Queensday im Holländer Viertel als bunten Höhepunkt betrachten wollen. Allerdings gab es Initiativen, Aktionen und Veranstaltungen schon lange zuvor, doch dieses Jahr gelang es dem Hauptakteur Jirka (CSD Beirat) viele Gruppierungen unter den Namen "CSD Brandenburg" zu binden und für das öffentliche Leben im Land sichtbarer zu machen.
Kiel - "gleich + gleich = ungleich?" lautet das Motto des diesjährigen Christopher Street Day in Kiel. Was auf dem ersten Blick wie eine mathematische Gleichung aussieht - zeigt auf dem zweiten Blick eine (immer noch) bittere Wahrheit. Und diese lässt sich weder mit einer mathematischen Gesetzmäßigkeit und schon gar nicht mit Logik erklären. Zwar haben sich die Zeiten seit der Razzia in der New Yorker Christopher Street geändert - dennoch sind Homosexuelle immer noch vielen Vorurteilen und Anfeindungen ausgesetzt.
Dafür müssen wir nicht bis nach Moskau schauen, wo Demonstrationen von Schwulen und Leben für ihre Rechte als Bürger nicht nur verboten werden, sondern vom Bürgermeister Luschkow sogar als "Teufelswerk" bezeichnet werden. Eine entsprechende Entwicklungshilfe wäre hier im Rahmen der bestehenden Städtepartnerschaft zwischen Moskau und Berlin durch den Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit sicherlich angebracht. Auch bei einigen Mitgliedern der Europäischen Union scheint Nachhilfe erforderlich zu sein, wenn man das Demonstrationsverbot zum CSD in Litauen sieht.
Denn das Beispiel der am 19. Mai in Polen stattgefundenen Gleichheitsparade zeigt, wie politischer Druck aus der EU die Lage verbessern kann - wenn man von den regelmäßigen verbalen Ausfällen des polnischen Bildungsministers einmal absieht. Wenn wir die EU als Wertegemeinschaft verstehen, dann sind alle Mitglieder aufgefordert, eine freie und sichere Demonstration für Bürgerrechte möglich zu machen.
Wie wichtig es ist, auch in Deutschland immer wieder für Bürger- und Menschenrechte auf die Straße zu gehen und für Gleichheit vor dem Gesetz einzutreten, hat sich nicht nur vor 2 Jahren auf dem Kieler CSD gezeigt, als mittels polizeilicher Videoüberwachung die Teilnehmer - speziell Vertreter der VelsPol (Verband lesbischer und schwuler Polizeibediensteter) gefilmt worden sind.
Auch im Alltag werden in Deutschland immer noch ganz konkret Ungleichheiten staatlich hingenommen, ohne, dass es dafür einen Grund gibt. Ein konkretes Beispiel ist die unterschiedliche Behandlung eingetragener Lebenspartnerschaften von Schwulen und Lesben und dem Institut der Ehe. Zwar hat mit seinem Urteil vom 17. Februar 2002 zum Lebenspartnerschaftsgesetz das Bundesverfassungsgericht folgende Kernaussage getroffen: "Aus der Zulässigkeit, (...) die Ehe gegenüber anderen Lebensformen zu privilegieren, lässt sich kein (...) Gebot herleiten, andere Lebensformen gegenüber der Ehe zu benachteiligen."
Mit diesem Satz wird höchstrichterlich endlich der Diskussion die Grundlage entzogen, das grundgesetzlich geregelte Institut "Ehe" würde durch ein Lebenspartnerschaftsgesetz entprivilegiert - Konsequenzen wurden bisher daraus nicht gezogen. Mit dem Lebenspartnerschaftsgesetz, das auf Initiative der FDP den Bundesrat passieren konnte, wurde lediglich ein erster kleiner und wichtiger Schritt getan. Jetzt muss es darum gehen, weitere Schritte folgen zu lassen.
Denn wer gleiche Pflichten - etwa im Sozialrecht - hat, muss auch gleiche Rechte haben. Die FDP-Bundestagsfraktion hat deshalb in dieser Wahlperiode Anträge in den Deutschen Bundestag eingebracht, um diese bisher bestehende Ungleichheit weiter zu beseitigen. Dabei spricht sich die FDP u.a. für das Adoptionsrecht homosexueller Paare und die Gleichstellung bei der Erbschaftssteuer aus. Wenn Gesellschaft und Politik gesellschaftliche Entwicklungen akzeptieren und unabhängig von der sexuellen Orientierung der Adoptiveltern das Wohl der Kinder in den Mittelpunkt stellen, dann muss auch die Bereitschaft da sein, bestimmte Formen des Zusammenlebens als Familie anzuerkennen. Ob heterosexuelle Eltern eine Gemeinschaft bilden, oder "Regenbogen-Familien", in denen homosexuelle Partner mit ihren Kindern zusammenziehen: Entscheidendes Kriterium muss sein, dass Menschen füreinander einstehen.
Genau dieses Ziel muss dann auch im Adoptivrecht gelten - insbesondere dann, wenn man weiß, dass bereits in jeder achten eingetragenen Lebensgemeinschaft Kinder leben (Statistisches Bundesamt 2004). Ob konservatives oder liberales Familienbild - Unterscheidungen verlieren schnell ihre Bedeutung, wenn Kinder im Mittelpunkt stehen. Eine ungleiche Rechtslage wird auch im Steuerrecht (bei der Einkommenssteuer und Erbschaftssteuer) offensichtlich: Wer seinen Partner bis zum Tode begleitet und pflegt, wird heute trotz Eintragung der Partnerschaft steuerlich wie ein Fremder behandelt. Von einer Gleichstellung, wie sie bereits im katholisch geprägten Spanien ohne Aufregung praktiziert wird, sind wir noch weit entfernt.
leider muss der CSD Minden e.V. euch mitteilen, dass der CSD am 9. Juni 2007 in Minden aus Organisatorischen Gründen ausfällt. Uns tut es sehr leid und wir bedanken uns bei all denen die an der Vorbereitung beteiligt waren und hoffen das wir im kommenden Jahr wieder einen CSD in Minden haben werden.
Thema: "Ich bin CSD!" - Christopher Street Day Nordwest
Bei strahlendem Sonnenschein zog am 16.06.07 die Parade des Christopher Street Days (CSD) Nordwest durch Oldenburgs Innenstadt. Dabei demonstrierten ca. 2000 Teilnehmer und 8000 Besucher unter dem Leitthema "Ich bin CSD!". Der vielschichtige und mit zahlreichen politischen Forderungen untermauerte schwulesbische Zug aus 14 Wagen- und Fußgruppen bahnte sich seinen Weg von der Bahnhofsstraße über den Stau durch die Achternstraße bis hin zum Pferdemarkt, um für Gleichberechtigung und Toleranz in der Gesellschaft und besonders der nordwestlichen Region auf die Straße zu gehen. Tausende Zuschauer erlebten die Parade vom Straßenrand aus, feierten und solidarisierten sich mit ihren homosexuellen Mitmenschen. Das besondere Highlight war laut des LuST e.V., der den CSD Nordwest Jahr für Jahr organisiert, die freiwillig erbetene Teilnahme von Oldenburgs Oberbürgermeister Prof. Dr. Schwandner, der auch auf dem Wagen der Aidshilfe Oldenburg mitfuhr. Die Rede des Oberbürgermeisters auf den anschließenden Kulturfest, in der er den CSD als wichtiges politisches Ereignis in Oldenburg anerkannte, wurde mit großem Applaus honoriert. Andre Eberlei, Pressesprecher des CSD Nordwest, kommentierte: "Dass der Oberbürgermeister nach der Rede unseren 1. Vorsitzenden auf der Bühne umarmte, ist eine symbolische Geste von großer Bedeutung." Noch nie zuvor hat ein Bürgermeister in Oldenburg an der Demonstration oder dem Kulturfest teilgenommen und Schwandner kündigte gleich im Anschluss auch seine Teilnahme 2008 an. Und so konnte der LuST e.V. dem Oberbürgermeister auch auf der Bühne den Antrag auf den Schlossplatz für den nächsten CSD überreichen, den dieser gerne entgegen nahm. Die ausgelassene Stimmung auf dem Pferdemarkt wurde auch trotz des einsetzenden Regens nicht getrübt, dafür sorgten die "Night Nurses" mit ihrer charismatischen Frontfrau. So wundert es nicht, dass die Pride Night in der Weser Ems Halle erst in den frühen Morgenstunden den CSD Nordwest abschloss, auf der knapp 1200 Besucher tanzten und sich, das Leben und die Liebe feierten. Insgesamt bewerten die Veranstalter den CSD Nordwest als großen Erfolg!